 Klaus BergerVon Reinhard Suepke Theologie, die Spaß macht.
Zum Buch „Jesus“ von Klaus Berger. Erschienen bei PATTLOCH / ISBN 978–3–629–10190–7
Rezension von Reinhard Süpke
Umstritten ist er ja, der Herr Professor Berger.
Ursprünglich Katholisch soll er zum Evangelischen Glauben konvertiert sein, damit er eine Professur in Heidelberg antreten konnte. Aber jetzt – als Rentner – soll er wieder in den Schoß von Mutter Kirche in Rom zurückgekehrt sein.
Na und? Was lassen wir denn sonst den Menschen so alles durchgehen.
Ich lese sein Buch mit Begeisterung. Manches, was ich bisher über das Neue Testament nur leise gedacht habe, kann ich jetzt laut sagen. Zum Beispiel das hier:
„Jedenfalls die Yellowpress ist sich an Weihnachten sicher, dass es völlig unklar und ungewiss ist, was Jesus gesagt und getan hat. Doch schon seit 50 Jahren haben sich namhafte Wissenschaftler von der hyperkritischen Linie entfernt. Sie folgen dem Rat ihrer weniger frommen Kollegen, der Althistoriker, den frühchristlichen Quellen über Jesus doch etwas mehr zuzutrauen. Diese nämlich wären froh, wenn sie über irgendeine Gestalt der gesamten Antike eine auch nur annähernd günstige Quellenlage hätten.“ (S 51) Noch zwei Zitate, die neugierig machen sollen:
„Es ist unmöglich, Jesus unter Ausschluss der mystischen Dimension gerecht zu werden – weil Jesus Sohn Gottes ist, gehört er nach dieser Seite seines Wesens zu himmlischen Welt.“ (S 69)
In der Osterzeit zitierte ich das hier in einer Predigt:
„Der Tod, ... das Schattenreich ist das Normale, das uns erwartet, früher oder später. Mit seinem Evangelium bietet Jesus – auch religionsgeschichtlich gesehen – die absoluter Ausnahme an: Gott will uns als seine Kinder bei sich haben in ewigem Leben. Das hatte keiner vorher so gesagt.“
Für mich sind die 18,- Euro eine lohnende Investition. Und das nicht nur für Predigtvorbereitungen. Sondern ganz persönlich. Es ist zwar ein theologisches Buch, aber ohne viele „Fachchinesisch“. Zwar muss man sich an manchen Stellen durchbeißen, dafür sind andere wieder locker und ein wenig satirisch. (Etwa wenn Berger auf S 88 unter der Überschrift: „Hard way to heaven – Das Ärgerliche an Jesus“ von der „Softievariante Jesu“ schreibt.)
Natürlich habe ich auch ein paar „Haare in der Suppe“ gefunden. (Zum Beispiel was die Kreuzestheologie angeht.) Aber das verdirbt mir den Spaß trotzdem nicht, den ich beim Lesen habe. Und ich habe als „Pfarrer auf dem Lande“ wieder Freude an Theologie gewonnen – einfach nur so, ohne gleich an Predigten zu denken. (Obwohl mir dieses Buch schon dabei mehrmals geholfen hat.)
Wem empfehle ich dieses Buch?
Jedem, der Interesse an der Person und dem Leben und dem Wirken Jesu hat, sei dieses Buch empfohlen.
Jedem, der das ewige besserwissenwollende Gelaber der Yellowpress zu Ostern oder Weihnachten satt hat, die uns einreden wollen, die Kirche hätte das alles nur erfunden mit Jesus. (Die dann auch noch Theologen ausgraben, deren liberale Ansichten schon lange überholt sind und die mit ihren Theorien eine große Mitverantwortung am Rückgang des Glaubens im christlichen Abendland tragen.)
Jedem, der spürt: Wir stehen hilflos und sprachlos gegenüber dem festgefügten Glauben der Moslems da – oder dem Aufmarsch des Neuheidentums. Die Zukunft wird uns zeigen, dass der reine Atheismus am Aussterben is. Die Auseinandersetzung läuft immer mehr zwischen (alten und neuen) Religionen und dem christlichen Glauben ab. Die entscheidende Frage dabei ist die, die Jesus schon seinen Jüngern stellte: „Für wen halten mich die Leute – für wen haltet ihr mich?“ Gerade dafür ist dieses Buch ein Gewinn.
Ihr seht schon – ein provozierendes Buch – mich provoziert es auch zum provozieren. Und provozieren heißt: Eine Reaktion hervorrufen. Es kann uns nicht kalt lassen, wie Jesus, der Herr der Kirche und des Alls, gesehen wird. In der Kirche und in der Welt.
|